Archive für September 2009

Sterbehilfe nach der spiritistischen Lehre

Vortrag von Angela Peixoto. 

Mit dem Fortschritt der Menschheit entstehen neue Technologien sowie Verbesserungen, die unsere Lebensquälität im Allgemeinen erhöhen. Es entstehen aber auch neue Dilemmas.

Wir können die Entdeckung des Schießpulvers erwähnen, die uns den Zugang zum Feuer erleichtert hat, wir haben auch mit Hilfe des Schießpulvers die Feuerwaffen hergestellt/entwickelt; die Kontrolle der Elektronen und Entdeckungen im Bereich des Magnetismus; wir haben medizinische Geräte für Neurovisualisierung; Bestrahlungsgeräte, die Krebszellen abtöten und unoperierbare Tumore beseitigen können; wir haben aber auch Atombomben mit unvorstellbarer Vernichtungskraft.

Diese Dualität sollte für uns keine Überraschung sein, denn wir wissen, dass wir unvollkommene Geister sind in einer Welt der Prüfungen und Abbüßungen.

Zitat aus “Das Buch der Geister. Kategorien der Geister”

Vor ca. 30 Jahren entstanden die Intensivstationen in den Krankenhäusern.

Auf der Intensivstation ist die Medizin auf die Behandlung von akuten ernsthaften Erkrankungen spezialisiert. Auf dieser Station werden sowohl spezifische Kenntnisse als auch eine eigene Technologie benötigt. Heutzutage gibt es eine medizinische Fachausbildung für Intensivmediziner. Durch die Intensivstation wurde möglich das Leben von Patienten in einem kritischen Gesundheitszustand zu verlängern.

Doch angesichts der Irreversibilität einiger Krankheitsbilder,stellt man sich ethische Fragen bezüglich der Entscheidung, das Leben des Patienten aufrechtzuerhalten oder nicht.

Es entstanden polemische Diskussionen über diese medizinische Vorgehensweise und die Hinnahme des Todes.

Der Ausdruck Euthanasie (Sterbehilfe) kam wieder auf unter der Definition: die überlegte Handlung eines Menschen mit dem Ziel das Leiden eines anderen Menschen durch den Tot zu lindern, die Folge dieser Handlung ist der Tod.

(Diese Definition wurde von Francis Bacon 1623 in seinem Werk “Historia vitae et mortis” formuliert. Er hat Euthanasie als geeignete Behandlung für unheilbare Krankheiten definiert)

Verkürzen des Schmerzes und des Leidens eines unheilbaren Patienten?

Was ist Unheilbar? Ein extrem dynamischer Begriff in der Medizin…

Schauen wir den Kommentar von Joanna de Angelis über Unheilbar

“Kommentar aus dem Buch von Joana de Angelis”
Laut Joanna de Angelis reinkarnieren missionarische Geister täglich mit dem Ziel Entdeckungen und Eroberungen vollzubringen, die zum Fortschritt des Lebens führen. (Quelle “revista crista de espiritismo”, 20. Auflage)
Mehrere Kilometer von Paris entfernt, entzückendes Kind. Sein Vater, Artz, hält sich in Sorge und Mühe wach. Die Krankheit war aber furchterregend, Diphtherie. Die Anzahl der Toten stieg auf erschreckende 99% an. Der Vater hat alles unternommen um das Leben seiner Tochter zu retten. Aber sie estickte schließlich. Die Zyanose (das Blaufärben) des Gesichtes war das Totenzeichen! In seiner Verzweiflung hat er seine Berufskollegen in Paris aufgesucht. Keine Antwort. Die Qualen des Mädchen mitanzusehen bereitet ihm unendliche Schmerzen. Er denkt in diesem Moment, das Ende zu verkürzen. Eine sehr starke Opiumspritze, die alles erleichtern würde… er hat daran gedacht und es getan! Der toxische Stoff hat nicht versagt. Er sieht die endgültige Ruhe… Danach, die Beerdigung, die Rückkehr aus dem Friedhof, die Tränen, die unermeßliche Sehnsucht und das Gefühl die grausame Pflicht erfüllt zu haben… Plötzlich erhielt er ein Telegramm mit dem Inhalt: “Roux hat gerade eben das antidiphtherische Serum entdeckt und mit Erfolg angewandt. Warte auf die Lieferung.”

“Von Euthanasie” (Verlag Três Poderes, 1991, Seiten. 40/41)

Frage 953 aus dem “Buch der Geister”

In dieser Situation spürt der Geist zusätzlich Enttäuschung, wenn er auf die andere Seite ankommt und feststellt, dass was er getan hat sein Leid nicht lindert sondern noch schlimmer macht.

Die frühzeitige Beendigung des Lebens verlängert die Bindung zwischen Geist und Körper, im Gegensatz zum natürlichen Tod, bei dem diese Bindung sich allmählich auflöst, was wiederum die Trennung zwischen Geist und Körper unterstützt.

Wer kann - trotz aller medizinischen Fortschritte - die exakte Dauer des Lebens eines Patienten garantieren?

In der Geschichte der Medizin finden wir unzählige Fälle von Komapatienten, die die sichersten Diagnosen und ärztliche Prognosen herausgefordert haben.

Harold Cybulski, de Barryas Bay, Ontário (Kanada), 79 Jahre alt wachte aus dem Koma, als sein zweijähriges Enkelkind in sein Zimmer hineingerannt kam und “Opa” gerufen hat.

Der Italiener Salvatori Crisafulli de Catania, aus Sizilien wachte aus einem zweijährigen Komazustand. Er war Opfer eines Autounfalles und behauptet alles gehört und verstanden zu haben, was in seiner Anwesenheit während der Komazeit gesprochen wurde.

Unter der spiritistischen Sichtweise wissen wir, dass der Geist mit dem Körper verbunden bleibt, fühlt und registriert alles, auch wenn die Gehirnverletzung (zerebrale Läsion) den Ausdruck des Bewusstseins nicht erlaubt.

Fälle von Amerikanern , dia aus dem Koma aufgewacht sind.

Aus juristischen Gründen bekam die Definition von Euthanasie Ergänzungen.

Es gibt die aktive Euthanasie : Anwendung einer tödlichen Droge oder Abschaltung eines Gerätes ,das den Patienten am Leben erhalten hat.

Aktive Handlung: Wenn jemand Etwas tut um den Prozess auszulösen.

Passive Euthanasie: Unterlassung oder Unterbrechung von Etwas, was das Leben aufhält (Aussetzung von Nahrung oder Abschalten von Geräten)

Der Fall Von Terri Schiavo, US-Amerikanerin aus Florida, im Koma seit 15 Jahren. Ihre Nahrungssonde (Magensonde) wurde entfernt nach intensiven Auseinandersetzungen zwischen den Familienangehörigen, amerikanischem Staat und Bundesgericht.

Hilfe bei der Selbsttötung- Der Spezialist wird von Patienten beauftragt ihm die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen um sein Leben zu beenden.

Annwendungen mit Doppeleffekt - Wenn Schmerzmitteln, dessen Ziel die Schmerzlinderung/Schmerzbekämpfung ist, die Lebensdauer des Patienten verkürzen.

Disthanasie: das Gegenteil von Euthanasie. Der langsame, qualenvolle Tod, mit viel Leiden/Schmerz.

Das Leben zu verlängern in einer Situation, wo es kein Leben mehr gibt.

Unwirksame/Sinnlose Behandlung, therapeutische Verstockheit: ärztliche Behandlung durch Mittel, die weder die Lebensquälität des Patienten verbessern noch den Patienten heilen (mit dem Ziel das Leben des Patienten zu verlängern), im Gegenteil, diese Behandlung verstärkt das Leiden des Patienten.

Ein einfaches Beispiel:

Patient im Endstadium mit multiplen Metastasen (Krebszellen haben sich in verschieden Geweben, Organen des Körpers ausgebreitet und eingenistet) und der Artz besteht auf Chemo- und Radiotherapie, was dem Patienten nicht helfen kann sondern nur sein Leiden noch verlängern/verstärkern wird.
Was ist schlimmer, die Krankheit oder die Behandlung?
Orthothanasie:

Auf der Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Euthanasie und Disthanasie verwendet man den Begriff Orthothanasie.

Was “richtiger” Tot bedeutet, der Tot zur richtigen Zeit.

Es bedeutet die “Humanisierung des Todes, den Tod nicht zu verlängern oder nicht zu verkürzen.

Die (Ärtze) Vertreter dieser Methode sind der Meinung, dass der Patient das Recht hat zu Hause, bei seiner Familie zu sterben.

Pflegen, besonders wenn heilen nicht möglich ist.

Schmerz mit seinen physischen, psychischen und geistigen Komponenten unter Kontrolle zu halten.

Respekt für die Sorge des Kranken.

Den Tod als natürlicher Prozess /Erreignis zu akzeptieren, wie die Geburt

Durch die Hilfe und Beratung von Gesundheitsprofis werden Komplikationen vorgebeugt, Schmerz wird gelindert, Hilfe um den Tod ein weniger schmerzhaft und würdiger zu machen, für die, die mit ihm zu tun haben.

Ich zitiere die Wörter eines erfahrenen Arztes:

der Weg ist die Mischung aus drei Elixieren, die das physische Leiden anhand drei magischen Inhaltsstoffen lindern und die einen fast erhabenen/edel Effekt haben:

Zuhören ohne zu beurteilen,
sich auf einer höheren Ebene auszudrücken und beizustehen/ ununterbrochen dabeizusein.

Es gibt Momente, in denen die Medizin verstehen muss, dass ihre Rolle nicht darin besteht, die Krankheit oder den Tot zu besiegen, sondern das Leiden zu lindern, das Übel abzugrenzen und den Schmerz zu besänftigen/minimieren.

Es bleibt der holistischen Medizin die Aufgabe ihre edelste/mütigste Funktion auszuüben: trösten!

Der Eid des Paliativarztes
Dra. Maria Goretti Sales Maciel

Ich schwöre bei allen meinen Vorfahren, den Kräften der Natur und allen Begabungen und Reichtümern dieses Lebens; dass ich bei allen meinen Handlungen das Leben meines Patienten beschützen und respektieren werde.
Ich werde mich neben ihn hinsetzen und werde seine Beschwerden anhören, sowie seine Geschichten und Erwartungen/Wünsche.
Ich werde mich darum kümmern, mit allen Mitteln und der Hilfe verschiedenster Spezialisten, dass er sich so gut/wohl wie möglich fühlt, ich werde nur die notwendigen und unabdingbaren Hilfsmittel nutzen ohne zu belästigen.
Ich werde an seiner Seite sein und werde ihn bis zum letzten Augenblick/Minute nicht verlassen.
Ich werde stillschweigend unseren Abschied vorbereiten, und werde ihm dabei Liebe und Glück für sein neues Zuhause wünschen.
Ich werde über seinen Körper wachen und seine Familie und Freunde unmittelbar nach seinem Weggang trösten, sodass ihm ermöglicht wird in Sicherheit und Ruhe zu gehen.
Am Ende/Schluss werde ich über Liebe mit Liebe sprechen.
Ich werde mit jedem von ihnen lernen mehr zu lieben, bedingungslos.

Manifest des medizinischen-spiritistischen Brasilianischen Vereinigung/der medizinischer-spiritistischer Assossiation

Wir erklären uns:

Gegen jedes Mittel, das absichtlich für die Vorwegnahme des natürlichen Todes eines Menschen eingesetzt wird, sei es durch aktive oder passive Euthanasie oder durch die Hilfe bei Selbsttötung.

Gegen die Disthanasie, die wir als sinnlose Verlängerung des Lebens betrachten,
eine therapeutische und diagnostische Verstocktheit,
die durch künstliche Mittel nichts zum Wohl des Patienten beitragen, sondern zum einen qualvollen Toden mit viel organischem, psychischem und spirituellem Leid führen.

Für den natürlichen Tod, der zur richtigen Zeit eintritt.

Es ist unsere Aufgabe die Autonomie/Selbständigkeit des Patienten zu respektieren, auch seinen Glaube, Ängste, Wünsche und Hoffnungen.
Es ist unsere Aufgabe ihm medizinische, psychologische, religiöse und familiäre Unterstützung anzubieten, um ihm einen schmerzlosen Tod zu ermöglichen sowie würdige letzte Augenblicke seines Leben auf der Erde.
Anzunehmen/zu verstehen, dass der natürliche Prozess des Todes eine wichtige Phase für die Vervollkommung des Geistes ist, gefüllt mit wertvollen Erfahrungen, sowohl für den Arzt als auch für den Patienten, vor allem wenn Beide sich an die Realität der Unsterblichkeit des Lebens orientieren.

Über den Tot und das Sterben (Elizabeth Kübler-Ross)

Der Patient durchlebt 5 Stadien/Phasen

1. Verneinung ( ignorieren die medizinische Diagnose und versuchen ihr Leben normal zu führen)

2.Wenn sie die Erkrankungen bestätigen, Wut auf Gott. Warum ich? Neid auf gesunde Menschen. Sie beschweren sich über die Gleichgültigkeit der Familieangehörigen.

3.Das Handeln mit Versprechungen mit der Absicht geheilt zu werden (die Phase, in der die Patienten sich ruhiger und freundlicher verhalten)

4. Die Depression. Sie fällt oft mit der Verschlechterung des Gesundheitszustandes und Frustation bezüglich der Behandlung zusammen.

5. Annehmen. Phyisch schon schwach, akzeptieren sie das Ende und haben ein schlechtes Gewissen wegen der Dinge, die sie nicht getan haben, sie fühlen sich besiegt und machtlos, obwohl sie emotional ausgeglichener sind. Der Kampf ums Überleben weicht der Resignation.

(Vortrag mit Angela Peixoto, am 26. September, in Geeak-München)

Sterbehilfe nach der spiritistischen Lehre

Vortrag am 26. September 2009

mit Angela Peixoto (Geeak - Altmühltal)

Einlass: 18.30 Uhr
Beginn: 19 Uhr
Ende: 20.30 Uhr

Sprache: Portugiesisch-Deutsch

Ort:
Geeak e.V.
Korbinianstr. 5a
80807 München

Eintrittspreis: frei

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