Abwesende Eltern

Früher war der väterliche Autoritarismus, der der Individualität der Kinder wenig Bedeutung beimaß, evident. Heutzutage zeigt sich aufgrund der Änderung des Verhaltens das andere Extrem. Es geht nicht mehr um das Problem des ständigen Eingreifens der Eltern, sondern um deren Abwesenheit. Sie sind auf sich selbst konzentriert. Ein abwesender Vater? Gemeint ist die Vaterfigur, die wenig oder nichts zur Bildung und Erziehung der Kinder beiträgt, unabhängig davon, ob sie im selben Haus wohnen oder nicht. Die Abwesenheit der Eltern ist schädlich für das Leben der Kinder, da dies die Phase ist, in welcher der Charakter in seinen ersten Zügen geformt wird. Kinder und Jugendliche können sich durch das Fehlen der physischen und emotionalen Präsenz der Eltern in ihrem Leben abgelehnt fühlen, was Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein haben und sich in den zukünftigen Beziehungen manifestieren kann. Es entwickeln sich Lakunen und psychische Wunden, und ohne Perspektiven und Werte fühlen sie sich verlassen. Ihnen fehlen sämtliche Ideale, die ihre Herzen wärmen sowie jegliche Werte und Hoffnungen, die sie trösten könnten. Kinder, die durch die Eltern ignoriert werden, können psychische Störungen entwickeln und sich Verhaltensweisen aneignen, die mit Aggressivität, Bindungsangst, Schüchternheit, Lernschwierigkeiten, fehlenden Grenzen, Depressionen, Drogen, Alkohol… verbunden sind. Wenn es Männer gibt, deren Mütter ihnen Verhaltensänderungen beigebracht und diese gefördert haben, existiert vielleicht eine größere Anzahl an Männern, die die Frauen, durch welche sie erzogen wurden, übertreffen und die getreu ihren Grundwerten die Übung einer sensibleren, auf Zuneigung bedachten Vaterschaft in die Praxis umgesetzt haben und dadurch zur Entwicklung von Seelen voller Liebe und für die Liebe beitragen.

Evanise M Zwirtes – Transpersonale Psychotherapeutin